Der 1880 erbaute

Bahnhof Kottenforst ist

ein Kleinod deutscher Zimmermannskunst aus einer Zeit, als man schon längst nicht mehr in Fachwerk baute:

mit Kuppelwalmdach, Streben, weiß verputzt.

Eine rückwärts gewandte Romantik und die Sehnsucht nach der guten alten Zeit haben sich hier ihr Denkmal mitten in den Wald gesetzt.

 

Wie aber kommt ein kaiserlicher Bahnhof mitten in den Wald? Wenn man es genau nimmt, war er eigentlich ein hoheitlicher Bahnanschluss eines wildreichen Jagdreviers.

 

Bereits zum Ende des Feudalzeitalters wurde hier die Jagd vor allem als kunstvolle Beschäftigung betrachtet. Kurfürst Clemens August, Wittelsbacher Fürst und Kölner Erzbischof, warf über den alten Kottenforst ein Wegenetz für die Parforcejagd mit Radial-Alleen. Im Mittelpunkt dieses Spinnennetzes stand sein Schloss Herzogsfreude. Später kamen die Franzosen, und ihre Erben, die Preußen, fanden wiederum Gefallen an der Rheinprovinz und an der Jagd. Prinz Wilhelm von Preußen, der spätere Kaiser Wilhelm II., jedenfalls studierte im nahen Bonn, ging als Student und später als Kaiser oft im Kottenforst zur Jagd.

 

Bereits im Sommer 1880 wurde die Verbindungslinie der sogenannten Eifel-Secundairbahn von Bonn nach Euskirchen eröffnet, 34,2 Kilometer lang, mit den Stationen Cuchenheim, Odendorf, Rheinbach, Meckenheim, Duisdorf – und eben diesen Haltepunkt im Wald, den Bahnhof Kottenforst.

 

Fast alle Bahnhofsbauten entstanden damals nach dem Plan des Architekten Richter aus Feldbrandstein. Doch für den Bahnhof Kottenforst am Streckenkilometer 12,9 rief man lieber nach dem Zimmermann, dem die gewünschte Prunkarchitektur mit malerischen Schaufronten trefflich gelang. Denn der Bahnhof war gedacht als Schmuckstück der ganzen Strecke, schließlich kam Wilhelm immer wieder gern als Waidmann zu Besuch.

 

Diesem Wilhelm, der im Dreikaiserjahr 1888 gekrönt wurde als Kaiser und König von Preußen, gefiel der Kottenforst ganz ungemein. Davon zeugt noch heute eine inzwischen 130 Jahre alte Eiche, die seine Majestät 1879 am „Jägerhäuschen“, einer ehemaligen Pferdestation, drei Kilometer vom Bahnhof entfernt, gepflanzt hat.

 

Züge halten am Bahnhof Kottenforst, der eher ein Wirtshaus mit Gleisanschluss ist, inzwischen nur noch am Wochenende und an Feiertagen. Die Besucher kommen mit dem Zug im Stundentakt, natürlich auch mit dem Fahrrad, Wanderer, Nordic Walker und vermehrt auch wieder zu Pferd. Im Herbst und Winter sitzt man im gemütlichen Bahnhofslokal, im Frühjahr und Sommer draußen unter Eichen.